Zum Glück ist die Zeit vorbei als man nur sehr verschämt oder gar nicht über die Wechseljahre gesprochen hat. Klar, finden manche Gespräche unter Freundinnen etwas leiser statt, aber immerhin wird darüber geredet. Das war ein oder zwei Generationen vor uns noch ein absolutes Tabuthema. Aber auch, wenn die Wechseljahre nicht mehr totgeschwiegen und ignoriert werden, gibt es noch viele Punkte über die viele Frauen nicht gut informiert sind. Aber dafür gibt ja diesen Block. Wir werden deshalb in den kommenden Monaten immer mal wieder auf dieses Thema zurückkommen und viele ganz unterschiedliche Bereiche erklären und unsere besten Tipps auspacken.
Die Hormone fangen an zu tanzen
Heute wollen wir uns erstmal anschauen, was in den Wechseljahren eigentlich in unserem Körper passiert. Dazu müssen wir uns mit der Biochemie beschäftigen, aber keine Angst, ich versuche, dir den Tanz der Hormone so einfach wie möglich zu erklären. Klar ist, dass wir ohne Hormone nicht überleben könnten. Sie sind dafür zuständig, dass unsere Körperfunktionen problemlos neben- und miteinander ablaufen. Ob das der Blutdruck ist oder der Blutzuckerspiegel, die Körpertemperatur oder die Fruchtbarkeit. Alles wird von Hormonen gesteuert und schon die kleinste Abweichung hat große Wirkungen. Dass wir in die Wechseljahre gekommen sind, merken wir meistens an einer ersten, offensichtlichen hormonellen Veränderung: Die Regelblutung wird unregelmäßig oder bleibt ganz aus. Wenn wir das bemerken, hat sich in unserem Körper oft schon über Jahre vieles verändert, was uns gar nicht aufgefallen ist. Die ersten Veränderungen treten oft schon weit vor dem 40. Geburtstag auf, die letzte Blutung haben wir durchschnittlich mit 52 Jahren (aber das ist nur Statistik, es kann auch viel früher oder später soweit sein). An dieser Zeitspanne siehst du, warum man von WechselJAHREN spricht – es ist ein sehr langer Prozess, der bei vielen Frauen fast 20 Jahre dauert. Die typischen Wechseljahresbeschwerden, von denen du sicher auch schon gehört hast, treten aber nur etwa 5 Jahre lang auf.
Der Zyklus gerät aus dem Takt
Lass uns auf den weiblichen Zyklus schauen, um grob zu verstehen, was in unserem Körper vor sich geht. Seit du in die Pubertät gekommen bist, gab es in deinem Körper jeden Monat denselben Ablauf. In deinen Eierstöcken reift ein Ei heran, wächst und wandert zur Gebärmutter. Damit dieser Vorgang funktioniert, werden zum Beispiel Östrogene benötigt, die in der Umhüllung des Eis, dem sogenannten Follikel, gebildet werden. Der Follikel bleibt im Eierstock und verwandelt sich dort, so dass er außerdem noch ein zweites wichtiges Geschlechtshormon bilden kann: das Progesteron. Das wandelt die Gebärmutterschleimhaut so um, dass sie auf die Aufnahme eines befruchteten Eis vorbereitet ist. Wird kein Ei befruchtet, wird die Progesteronproduktion bis zum nächsten Eisprung wieder eingestellt. Das Absinken des Progesteronspiegels sorgt dafür, dass die Menstruationsblutung einsetzt.
Diese beiden Geschlechtshormone haben aber noch viel mehr Aufgaben. Man kann sagen, dass wir erst durch die Östrogene zur Frau werden. Sie sorgen dafür, dass wir Brüste bekommen und ein weibliches Aussehen, sie stärken unsere Knochen und verfeinern den Fettstoffwechsel. Außerdem haben sie großen Einfluss auf unsere Sexualität und unser seelisches Gleichgewicht. Auf die unterschiedlichen Formen des Östrogens werden wir eingehen, wenn wir uns mit der Frage beschäftigen, ob es Sinn macht, in den Wechseljahren künstliche Hormone einzunehmen. Das Progesteron ist der Gegenspieler des Östrogens und schützt beispielsweise Brust und Gebärmutter vor Krebs. Ohne Progesteron kann keine Frau schwanger werden oder eine Schwangerschaft austragen.
Oft ist die Rede davon, dass die Wechseljahre eine Östrogenmangelkrankheit sind, aber das ist Quatsch. Erstens sind Frauen in den Wechseljahren nicht krank (sonst wären alle Männer, Mädchen und älteren Frauen ebenfalls krank und zweitens liegt häufig sogar ein Östrogenüberschuss vor.) Das Problem liegt eher in den Hormonschwankungen. Der Körper schafft es ab einem gewissen Alter nicht mehr, Östrogen und Progesteron in der richtigen Menge herzustellen, um sie im Gleichgewicht zu halten. Dadurch kommt es zu wechselnden Beschwerden wie zum Beispiel schmerzenden Brüsten, Stimmungsschwankungen, Erschöpfung oder auch Heißhunger, wenn der Progesteronspiegel sinkt. Wird weniger Östrogen gebildet, treten eher Hitzewallungen, Schlaf- und Konzentrationsstörungen auf.
Angst vor den Wechseljahren ist unbegründet
Wahrscheinlich hast du jetzt ein bisschen Angst, wenn du dir überlegst, was alles noch auf dich zukommen kann. Wir können dich beruhigen. Zu fast allen Beschwerden gibt es tolle Tees, Tropfen und andere Heilmittel. Wir werden dir in den kommenden Monaten viele davon vorstellen. Vielleicht machst du dir nach diesen Zahlen auch etwas weniger Sorgen: 1/3 der Frauen hat in den Wechseljahren gar keine Beschwerden, 1/3 hat leichte Probleme, die sich gut mit Naturheilkunde und Ernährung in den Griff kriegen lassen und nur 1/3 der Frauen leidet stark und muss ärztlich behandelt werden. Sanne aus unserem Patientinnen-Team hat dazu etwas sehr Kluges gesagt: “Als ich gehört habe, dass 1/3 aller Frauen keine Probleme hat, habe ich mir gedacht, dass ich genau zu diesem Drittel gehören will. Meiner Meinung nach muss man positiv herangehen, damit das funktioniert und darf sich keine Sorgen um das Älterwerden machen. Ich habe meine Tage jetzt schon seit drei Jahren nicht mehr und bisher habe ich keine Beschwerden gehabt. Meine Freundinnen wollen mir das immer nicht glauben. Wenn ich mir anschaue, wer am meisten jammert, sind es diejenigen, die auch mit über fünfzig noch versuchen mit den 30jährigen mitzuhalten. Die, die das älter werden gelassen nehmen, leiden weniger.“
Das ist natürlich nur Sannes subjektive Wahrnehmung, aber es könnte schon ein Körnchen Wahrheit drinstecken. Demnächst schauen wir uns an, wie andere Kulturen mit den Wechseljahren umgehen. Da wird teilweise sehnsüchtig darauf gewartet. Wenn du nichts verpassen möchtest, abonniere gerne unseren Newsletter.
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