Ernährung bei PCOS: Tipps für eine gesunde Lebensweise

Das Polycystische Ovarial Syndrom, kurz PCOS, ist ein Meister des Versteckspielens. Die Erkrankung kann in vielen verschiedenen Gestalten auftauchen und ist deshalb oft schwer zu enttarnen. Die Symptome sind vielfältig, bei einigen Frauen treten mehrere davon auf, bei anderen nur einzelne. Es können Schilddrüsenbeschwerden sein, hartnäckiges Übergewicht, Haarausfall oder Haarwachstum an Stellen, wo man es nicht haben möchte, Zyklusstörungen oder auch das Problem, dass es mit dem schwanger werden nicht klappt. Jede 10. Frau im gebärfähigen Alter ist davon betroffen.

Ein Durcheinander der Hormone

PCOS wird oft erst spät erkannt. Bei den betroffenen Frauen sieht man im Ultraschall viele kleine Eibläschen, bei denen es nicht zum Eisprung kommt. Weil die Eizellen nicht richtig ausreifen, entstehen viele Zysten in den Eierstöcken. Wenn dann noch zu viele männliche Hormone gebildet werden, bringt das den Stoffwechsel komplett durcheinander. Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Bauchfett. Das sogenannte viszerale Fett, das sich um unsere Bauchorgane herum befindet, produziert selbstständig Hormone und Entzündungsbotenstoffe, die für noch mehr Hormonchaos sorgen. Aus diesem Grund sollte man gegen das Bauchfett angehen, vor allem, wenn ein unerfüllter Kinderwunsch besteht. Das kann auch schlanke Frauen betreffen, denn das Bauchfett muss sich nicht in Form von Speckröllchen zeigen, sondern kann auch – von außen unsichtbar – komplett im Körperinneren liegen.

Die richtige Ernährung bei PCOS

In den meisten Fällen macht eine Ernährungsumstellung Sinn. Weg vom Weizen hin zu glutenfreiem Getreide wie Hafer, Hirse oder Buchweizen. Generell sollte man über eine massive Einschränkung leichtverdaulicher Kohlenhydrate nachdenken, also auf Zucker, Weißbrot, Nudeln etc verzichten. Außerdem sollten viele eiweißreiche Hülsenfrüchte und jede Menge Gemüse auf den Teller kommen, Fleisch nur in Maßen.

Natürlich ist eine solche Ernährungsumstellung nicht immer leicht umzusetzen. Wenn der Leidensdruck hoch ist, ist das aber eine sehr effektive, bisweilen auch die einzige Chance auf Linderung der Symptome. Für die Gewichtsabnahme kommt auch Medformin in Betracht, ein Wirkstoff aus der Diabetesbehandlung, der auch bei Patientinnen mit PCOS eingesetzt wird. Falls du es erstmal auf eigene Faust versuchen möchtest, ist Fasten eine tolle Möglichkeit, um in eine Ernährungsumstellung zu starten und die Gier auf Zucker loszuwerden. Mein Kurs „Fasten. Weniger Gewicht und mehr Wohlbefinden“ kann dir dabei helfen, den richtigen Einstieg zu finden. Weitere Informationen findest du hier.

Warum es so schwierig ist die Erkrankung zu diagnostizieren

Ich habe oben schon kurz angesprochen, dass das Polycystische Ovarial Sydrom in vielen verschiedenen Erscheinungsformen auftritt und deshalb schwer zu diagnostizieren ist. Hinzu kommt, dass es eine historisch gewachsene Erkrankung ist, für die es mehrere verschiedene Definitionen gibt. Jede Ärztin und jeder Arzt kann also von etwas unterschiedlichen Voraussetzungen ausgehen. Deshalb wäre es gut, wenn du die Erkrankung im Hinterkopf hast, wenn bei dir hormonelle Störungen auftreten. Trau dich ruhig und sprich darüber. Ein weiteres Problem bei PCOS ist es nämlich, dass Frauen lieber still vor sich hin leiden als sich zu den unangenehmen Symptomen zu äußern und das muss nicht sein. Wenn du also zum Beispiel einen Bart bekommst oder am ganzen Körper Haare wachsen oder auch, wenn das Gegenteil der Fall ist und dir die Haare ausfallen, musst du dich nicht schämen, sondern hast guten Grund einen Termin in der Praxis zu vereinbaren. Es ist übrigens nicht einfach nachzumessen, ob bei dir zu viele männliche Hormone vorhanden sind. Die Tests, die es auf dem Markt gibt, sind für Männer mit zu wenig männlichen Hormonen ausgelegt. Das ist wieder mal eins der vielen Beispiele dafür, dass Medizin heute immer noch für Männer gemacht wird.

Mehr zu dem Thema kannst du hier nachlesen: Frauen werden anders krank – medizinische Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Hinterlasse einen Kommentar