Als Ernährungscoach habe ich mir vorgenommen, dass ich keinen Artikel über das Pro und Kontra der Abnehmspritze schreiben werde. Meiner Meinung nach ist das eine sehr individuelle Entscheidung, die jede Frau für sich treffen muss. Auch ich habe eine Meinung dazu, habe für mich eine Entscheidung getroffen, möchte aber niemanden überreden oder kritisieren, der anders denkt als ich.
Mir ist allerdings ein Thema begegnet, dass ich für so wichtig halte, dass ich doch über die Spritze und ihre Folgeerscheinungen schreiben muss. Es geht um einen möglichen Nährstoffmangel.
Warum es zu einem Nährstoffmangel kommen kann
Abnehmspritzen wirken unter anderem dadurch, dass das Sättigungsgefühl schneller einsetzt und der Appetit insgesamt abnimmt. Viele Frauen essen dadurch deutlich weniger – was in diesem Zusammenhang auch gewünscht ist.
Gleichzeitig entsteht hier aber ein Punkt, der oft unterschätzt wird:
Weniger essen bedeutet nicht automatisch, besser versorgt zu sein.
Wenn die verbleibenden Mahlzeiten eher aus schnell verfügbaren oder stark verarbeiteten Lebensmitteln bestehen, kann es passieren, dass wichtige Nährstoffe zu kurz kommen. Auch Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall können dazu beitragen, dass der Körper weniger aufnehmen kann, als er eigentlich braucht.
Welche Nährstoffe häufig betroffen sind
Untersuchungen zeigen, dass nach längerer Anwendung bei einem Teil der Anwenderinnen tatsächlich Nährstoffdefizite auftreten können.
Besonders häufig betroffen sind unter anderem:
- Ballaststoffe
- Calcium
- Eisen
- Magnesium
- Kalium
- Vitamine wie A, C, D und E
Auch die Eiweißzufuhr (Protein) ist oft zu gering.
Gerade das kann Folgen haben, die viele Frauen zunächst gar nicht im Blick haben.
Warum Eiweiß so wichtig ist
Wenn der Körper über längere Zeit zu wenig Protein bekommt, baut er nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse ab. Das kann besonders dann passieren, wenn:
- die Gewichtsabnahme schnell verläuft
- wenig Bewegung stattfindet
- oder der Körper insgesamt geschwächt ist
Eine eiweißreiche Ernährung kann hier unterstützen. Das bedeutet nicht, perfekt zu essen – sondern bewusst darauf zu achten, dass in möglichst jeder Mahlzeit eine Eiweißquelle enthalten ist, zum Beispiel:
- Milchprodukte
- Eier
- Fisch
- Hülsenfrüchte
- mageres Fleisch
Auch Proteinshakes können in manchen Situationen eine praktische Ergänzung sein.
Knochengesundheit – besonders wichtig für Frauen
Gerade Frauen in und nach den Wechseljahren sollten einen weiteren Aspekt im Blick behalten: die Knochengesundheit.
Bei stärkerem Gewichtsverlust kann auch die Knochendichte abnehmen. Calcium und Vitamin D spielen hier eine wichtige Rolle – ebenso wie Bewegung und Krafttraining, die den Körper dabei unterstützen, Knochen und Muskulatur zu erhalten.
Haarausfall – ein sensibles Thema
Ein Thema, das viele Frauen emotional sehr berührt, ist Haarausfall. Er kann bei schneller Gewichtsabnahme auftreten und wird auch in einigen Beipackzetteln erwähnt.
Die Ursachen sind meist vielschichtig:
- körperlicher Stress durch reduzierte Nahrungsaufnahme
- hormonelle Veränderungen
- mögliche Nährstoffdefizite, z. B. bei Eisen, Zink oder Vitamin D
Auch hier zeigt sich: Der Körper reagiert oft sensibel auf Veränderungen – und versucht, sich bemerkbar zu machen.
Unterstützung suchen und den eigenen Weg finden
Wenn du eine Abnehmspritze nutzt oder darüber nachdenkst, kann es hilfreich sein, deine Ernährung bewusst zu betrachten:
- Bekommst du ausreichend Vielfalt auf den Teller?
- Sind genügend Eiweißquellen dabei?
- Denkst du auch an wichtige Mineralstoffe und Vitamine?
Zusätzlich kann es sinnvoll sein, dich in deiner Arztpraxis oder Apotheke beraten zu lassen:
- Welche Nährstoffe solltest du im Blick behalten?
- Sind Nahrungsergänzungsmittel für dich sinnvoll?
- Wie kannst du deine Ernährung gut anpassen?
Nicht weniger essen – sondern anders
Vielleicht ist das der wichtigste Gedanke in diesem Zusammenhang:
Es geht nicht darum, noch weniger zu essen.
Sondern darum, den Körper trotz reduzierter Menge bestmöglich zu versorgen.
Gerade wenn Gewicht über längere Zeit gestiegen ist, lag oft schon vorher keine optimale Nährstoffversorgung vor. Diese wird durch die reduzierte Nahrungsmenge manchmal einfach sichtbarer.
Eine begleitende Ernährungsberatung kann hier unterstützen – nicht mit Druck, sondern mit Orientierung.
Wenn dich dieses Thema beschäftigt, nimm es gern als Einladung, etwas genauer hinzuschauen – nicht kritisch, sondern neugierig. Dein Körper arbeitet nicht gegen dich. Er versucht, sich mitzuteilen.
Und manchmal beginnt Gesundheit genau dort:
bei einem bewussteren Blick auf das, was wir ihm täglich geben.
