Chronischer Durchfall. Der Verlust von Gallensäure kann die Ursache sein.

Unser heutiges Thema ist nicht besonders appetitlich, aber es betrifft ziemlich viele Menschen. Etwa drei bis fünf Prozent der Erwachsenen leiden an chronischem Durchfall. Über einen langen Zeitraum ist für sie kein normaler Stuhlgang möglich und sie haben Schmerzen, Blähungen und zahlreiche andere Begleiterscheinungen.

Durchfall kann viele Gründe haben und die sind nicht immer so einfach zu entdecken und zu unterscheiden. Es gibt kaum Laborwerte, die die Symptome erklären können, jeder Körper ist anders, jeder Mensch ernährt sich variabel, es können Operationen dahinterstecken oder die Ursache hat mit der Besiedlung des Darms mit Bakterien zu tun.

Eine Ursache, die relativ häufig vorkommt, aber von Ärztinnen und Ärzten oft vernachlässigt wird, ist der Verlust von Gallensäure. Man spricht hier vom Gallensäureverlustsyndrom oder der chologenen Diarrhoe. Dass Ärzte diese Erkrankung selten im Blick haben, war vor kurzem Thema einer Medizinerfortbildung, an der ich teilnehmen durfte – es geht mir also nicht darum, irgendjemandem ein Versäumnis vorzuwerfen, sondern darum, diese Erkrankung sichtbar zu machen.

Symptome des Gallensäureverlustsyndroms

Wodurch unterscheidet sich denn eine chologene Diarrhoe von anderen Durchfällen?

Der Durchfall

  • Ist wässrig, nicht blutig
  • Tritt gelegentlich auf
  • Ist schmerzhaft
  • Ist gelblich
  • Riecht übel
  • Wird von krampfartigen Bauchschmerzen begleitet
  • Tritt Tag und Nacht auf

Die Symptomatik ist eher diffus, die Betroffenen haben häufigen Stuhlgang, Bauchbeschwerden und einen aufgeblähten Bauch.

Ursachen des Gallensäureverlustsyndroms

Ich möchte dich nicht mit komplizierten biochemischen Prozessen und dem Inhalt einer Anatomievorlesung langweilen, aber trotzdem müssen wir mal in den Körper reinschauen, um zu verstehen, wo die Ursachen für die Beschwerden liegen.

Wenn du gut gegessen hast und verdaust, wird in deiner Leber Gallensäure freigesetzt. Die wird zum Beispiel dafür benötigt, dass dein Körper über den Dünndarm Fette und Vitamine aufnehmen kann. Im Dünndarm wird auch der größte Teil der Gallensäure über die Schleimhaut wieder aufgenommen. Etwa 95% der Gallensäure kommen so wieder zurück in die Leber und können dort wiederverwendet werden. Der Körper recycelt den Stoff also. Nur 5% der Gallensäure schaffen es bis in den Dickdarm. Auch hier wird der größte Teil davon verstoffwechselt und bleibt in deinem Körper. Der kleine Rest wird ausgeschieden.

Zumindest in der Theorie. Manchmal kann es sein, dass zu viel Gallensäure bis in den Dickdarm kommt oder dort nicht über die Schleimhaut aufgenommen wird. Dieses Zuviel an Gallensäure im Darm sorgt für Beschwerden, die zum Beispiel vom Reizdarm kaum zu unterscheiden sind. Das kann bei Krankheiten wie Morbus Crohn, bei chronischer Pankreatitis, bei Zöliakie oder durch vermehrte Gallensäureproduktion passieren. Die Folge: Die Schleimhaut wird schmerzempfindlicher, durchlässiger und es gibt mehr Bewegung im Darm.

Wie diagnostiziert man das Gallensäureverlustsyndrom?

Im Vordergrund stehen bei den Patientinnen und Patienten die chronischen Durchfälle. Es gibt viele Erkrankungen, die an dieser Stelle infrage kommen. Meistens denkt man als Behandler/in zunächst an Viren und Bakterien, Unverträglichkeiten sowie chronisch-entzündliche Erkrankungen. Ein Blutbild, die Betrachtung der Schilddrüse und die Prüfung, ob Diabetes vorliegt, sowie eine Stuhlprobe können Hinweise liefern. Wenn bei diesen Untersuchungen allerdings nicht so richtig etwas herauskommt, gibt es keine Laborwerte, die auf die Gallensäure hindeuten.

Der sogenannte SeHCAT-Test kann dann weiterhelfen. Es handelt sich dabei um eine kleine Kapsel mit künstlich hergestellter radioaktiv markierter Gallensäure, die sich im Körper genauso verhält wie die eigene Gallensäure, nur dass sie nicht von den Darmbakterien verstoffwechselt werden kann. Nach einem und nach sieben Tagen wird mit einer Gammakamera bestimmt, wieviel der markierten Gallensäure sich noch im Körper befindet. Sollte diese Untersuchung vom Arzt für notwendig erachtet werden, übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

Die Patientinnen und Patienten können auch einen Gallensäurekomplexbinder einnehmen. Dieses Mittel bindet Gallensäure, macht sie fest und sorgt für die Ausscheidung mit dem Stuhlgang. Wenn die Betroffenen darauf gut ansprechen, hat sich der Verdacht bestätigt.

Wie wird das Gallensäureverlustsyndrom behandelt?

Die Gallensäurekomplexbinder können nicht nur für die Verdachtsdiagnose eingesetzt werden, sondern auch für die Behandlung. Allerdings tolerieren viele Menschen diese Medikamente nicht, weil sie Nebenwirkungen wie Verstopfung und Völlegefühl mit sich bringen.

Es kommt auch häufig vor, dass Medikamente, die wegen anderer Beschwerden eingenommen werden, die Symptome der chologenen Diarrhö lindern. Dazu gehören Antidiuretika, also Mittel, die die Harnausscheidung mindern und Magensäureblocker, die Aluminium enthalten. Außerdem kann die Gabe fettlöslicher Vitamine und von Vitamin B12 sinnvoll sein. Auch eine fettarme Ernährung sollte in Erwägung gezogen werden.

Eine kostengünstige und zugleich nebenwirkungsarme Möglichkeit, die unbedingt ausprobiert werden sollte, ist die Einnahme von Heilerde. Diese gibt es zum Beispiel als Pulver, Kapseln und Granulat. Fachleute empfehlen einen Esslöffel Naturjoghurt mit einem Teelöffel Heilerde zu vermischen und dreimal täglich zu den Mahlzeiten einzunehmen.

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Auch Gallensteine können wir große Unannehmlichkeiten sorgen. Wenn du dazu mehr Informationen brauchst, schau dir gerne diesen Artikel an. Dort erfährst du auch, wie groß dein Risiko ist, einen Gallenstein zu bekommen.

Mehr zum stöbern und informieren gibt es hier.

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