Effektive Tipps gegen chronische Nackenschmerzen

Viele Frauen sind inzwischen Dauergäste in der Physiotherapiepraxis oder beim Orthopäden, weil sie ständig mit Nackenschmerzen zu tun haben. Die Zahl der Betroffenen steigt, die Arbeit im Homeoffice hat dazu beigetragen, dass die Patientinnen immer jünger werden. Wir kommen im Alltag gar nicht mehr an unser Bewegungsmaximum heran und der Körper gewöhnt sich daran, dass er nicht mehr machen muss als nötig. Und auch Knochen, Sehnen und Muskeln altern mit uns gemeinsam. Der Zustand wird also nicht von alleine besser werden, wir müssen etwas für uns tun. Was künftig auf deiner To-Do-Liste stehen sollte, erfährst du in diesem Artikel.

Der Kopf ist ein Schwergewicht

Lass uns mal kurz über die körperlichen Voraussetzungen sprechen. Unsere Halswirbelsäule besteht aus sieben Halswirbeln und liegt, grob gesagt, zwischen Kopf und Oberkörper und ist der beweglichste Teil unserer Wirbelsäule. Die beiden oberen Wirbel Atlas und Axis sind miteinander verbunden und ermöglichen es, dass wir unseren Kopf bewegen können. Der Kopf wiegt ungefähr drei bis vier Kilogramm. Seine Verbindung zum Hals kannst du dir etwa so vorstellen, als ob du eine Wassermelone auf drei Fingern balancierst. Wenn du dich herunterbeugst, um zum Beispiel aufs Handy zu schauen, sind es etwa 27kg Zuggewicht, die deine Nackenmuskulatur halten muss. Das bedeutet, dass die Nackenmuskulatur permanent überdehnt ist, weil sie den Kopf halten muss. Eine schnelle Bewegung und die Muskulatur verspannt.

Verspannung als Warnsignal

Für uns ist diese Verspannung meistens die Ursache unserer Beschwerden, dabei ist sie eigentlich ein Warnsignal. Wir nutzen Wärme, Bewegungsübungen und Massagen, was auch vorübergehend hilft, wir gehen aber das Grundübel nicht an: Die dauerhafte Überdehnung. Stattdessen machen wir weitere Dehnübungen, um den Nacken zu entlasten. Viel sinnvoller wäre es, die Muskulatur zu stärken, denn schlappe Muskeln machen Nackenschmerzen.

Wenn man seinen Patientinnen dazu rät, Sport zu machen, kommt man als Therapeutin oft an die Grenzen. Deshalb sage ich es jetzt nur einmal: Sport wäre in diesem Fall sehr sinnvoll, vor allem Kräftigungsübungen für deine Schulter-Nacken-Partie.

Nackenschmerzen können weitreichende Folgen haben

Es gibt viele Beschwerden, die eine Folge chronischer Nackenschmerzen sein können. Meistens hat man den Nacken als Ursache gar nicht auf dem Schirm. Beispiele dafür sind Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Atembeschwerden, Kieferprobleme, Tinnitus, Schulter- und Armschmerzen.

Die Ursachen für Nackenschmerzen sind ähnlich vielfältig: Psychische Probleme, Stress, Entzündungen, Überlastung, Fehlbelastung, verkürzte Muskeln, hoher Muskeltonus, Bandscheibenvorfall, falsches Kissen oder ein Unfall. An vielen Punkten kann man durch eine Änderung des eigenen Verhaltens gegensteuern. Schau doch mal, ob bei den folgenden Anregungen etwas für dich dabei ist.

Auf der Arbeit

Im Job verrichten wir meistens ähnliche Aufgaben, Tag für Tag. Und wir tun das meistens mit demselben Bewegungsablauf und nutzen daher dieselben Muskeln und lassen die anderen verkümmern. Deshalb versuch doch mal, deine Tätigkeit ein bisschen zu variieren. Wenn du im Büro arbeitest, hast du im Idealfall einen höhenverstellbaren Schreibtisch. Dann benutze ihn auch 😊. Arbeite mal im Sitzen, mal im Stehen. Lauf zu deinen Kolleginnen statt sie anzurufen. Und nimmt den Hörer, wenn du telefonierst, doch mal in die andere Hand. Auch außerhalb vom Büro finden sich sicherlich genügend Möglichkeiten. Vielleicht kannst du auch hier Positionen verändern, Dinge mit links erledigen statt mit rechts usw. Computerbildschirme sollten so eingestellt sein, dass du nicht den ganzen Tag leicht nach unten schaust, sondern geradeaus und du solltest aufrecht sitzen, statt nach vorne gebeugt.

In der Pause

Nimm dir in der Pause die Zeit, raus zu gehen. Auch wenn es nur eine Runde um den Block ist, lädst du damit deinen Vitamin D Tank auf und du setzt neue Bewegungsreize. Auch wenn wir über den Nacken sprechen, ist es wichtig die Füße zu trainieren, denn sie sind das Fundament deines Körpers und tragen genauso wie der Beckenboden und die Bauchmuskeln zu einer guten Haltung bei.

Aufrecht durchs Leben

Die einfachste Form der Muskelkräftigung ist es, aufrecht durchs Leben zu gehen. Das haben wir fast alle verlernt. Also Brust raus und Pobacken zusammenkneifen und versuchen, einen festen Stand zu finden.

Das Leben aufräumen

Eine negative psychische Lage sorgt für eine ungesunde Körperhaltung. Wir sinken in uns zusammen oder sind unter Daueranspannung. Deshalb ist es wichtig, Alltag und Job stressfrei zu gestalten. Beziehungsprobleme müssen gelöst werden, das berufliche Umfeld muss stimmen. Falls es in diesem Bereich Baustellen bei dir gibt, musst du dich darum kümmern, sonst wirst du die Nackenschmerzen leider nicht los.

Gut schlafen

Wie man sich bettet, so liegt man, wussten schon unsere Großeltern. Mit Blick auf die Nackengesundheit heißt das, flach liegen. Die Wirbelsäule sollte gerade sein. Dabei unterstützen eine gute Matratze und ein Nackenkissen.

Bei Nackenschmerzen gilt besonders: du musst etwas für dich tun. Auf Tabletten oder Therapeuten zu bauen, sind vorübergehende Lösungen. Dauerhaft wirst du dann eine Besserung erzielen, wenn du neue Bewegungsreize in deinen Alltag einbaust und deine Routinen veränderst. Putz dir doch zum Beispiel mal mit der anderen Hand die Zähne und stell dich dabei auf ein Bein, wipp auf und ab oder spann deine Pomuskulatur an. Auch wenn es vielleicht albern aussieht, wirst du mit solchen und ähnlichen Kleinigkeiten deinem Körper etwas gutes tun und dein Nacken wird es dir langfristig danken.

Hinterlasse einen Kommentar