Ich bin für dich eine Kooperation mit meinding.blog eingegangen. Auf diesem Buchblog wird mindestens ein interessantes Buch pro Woche vorgestellt. Und immer dann, wenn es sich dabei um ein Buch handelt, bei dem es um die Gesundheit von Frauen geht, kannst du die Rezension ab sofort auch hier lesen.
Etwa 2-3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland leiden an der psychischen Erkrankung Borderline. Auslöser ist oft ein traumatisches Erlebnis, aber auch genetische Faktoren können eine Rolle spielen. Wenn man von typischen Symptomen sprechen kann, sind es extreme Stimmungsschwankungen, intensive Gefühle, Beziehungsprobleme und auch selbstverletzendes Verhalten.
Darum geht’s
Bei Autorin Joelle Westerfeld wurde Borderline diagnostiziert. Sie hatte schon als Teenagerin den Eindruck, anders zu fühlen als ihre Freundinnen. Manchmal sprudelt sie über vor Freude, dann wird sie von unerträglicher Traurigkeit erfasst oder erlebt Momente völliger Leere. Sie schmeißt die Schule, reist um die Welt und erlebt immer wieder zusammen. Auch ihre Beziehungen sind nicht stabil, sondern von ständigen Hochs und Tiefs geprägt, die sie deutlich stärker empfindet als gesunde Menschen. Vor allem die Angst vor dem Verlassenwerden ist riesig. Erst als junge Erwachsene erhält sie die Diagnose Borderline-Persönlichkeitsstörung und kann ihre Empfindungen einordnen und eine Therapie beginnen.
Der Mehrwert dieses Buches
Joelle Westerfeld beschreibt ihre Krankheit schonungslos offen und das ist ein großes Plus dieses Buches. Es war ein langer Weg, den sie zurückgelegt hat. In zahlreichen Therapien hat sie unter anderem an ihrem Selbstbild gearbeitet. Inzwischen hat sie nur noch wenige Symptome und diese sind nicht mehr sehr stark ausgeprägt. Für Betroffene zeigt dieses Beispiel, dass es Möglichkeiten der Behandlung gibt und dass die Krankheit kein Makel und keine Festlegung für die Ewigkeit sein muss. Wobei man natürlich sagen muss, dass jeder erkrankte Mensch anders ist und seinen eigenen Weg zum Umgang mit der Krankheit finden darf.
Aus meiner Sicht ist dieses Buch auch für Angehörige äußerst hilfreich. Die Betroffenen sind nicht immer in der Lage zu erzählen, wie es ihnen geht und was zum Beispiel die Momente völliger Leere ausmacht. Wir sehen jemanden, der gerade noch hochmotiviert und mit viel Elan und Ehrgeiz eine Aufgabe erledigt hat und wenig später nicht mehr aus dem Bett kommt. Diesen Gefühlswechsel nachzuvollziehen ist oft schwierig, weil man ihn schnell mit Faulheit assoziiert. Die Autorin ermöglicht hier einen anderen Blickwinkel und damit hoffentlich auch mehr Verständnis.
Meine Meinung
Borderline ist eine mit vielen Vorurteilen behaftete Erkrankungen. Dieses Buch zeigt, dass alle Betroffenen grundverschieden sind. Nicht jeder ritzt sich, nicht jeder muss Monate in Kliniken verbringen. Viele finden ihren Platz in der Gesellschaft und führen ein nach außen hin ganz durchschnittliches Leben mit einem guten Job und einer Familie. Der Weg dahin ist in den meisten Fällen allerdings beschwerlich. Dieses Buch hilft dabei, die Symptomatik besser zu verstehen, weil die Autorin uns einen Blick „in ihren Kopf“ erlaubt.
Es ist kein Ratgeber, sondern ein sehr persönliches Buch.
Fazit
Ein schnelles und modernes Buch, das die Symptomatik der Borderline-Persönlichkeitsstörung aus erster Hand schildert. Es ist für Betroffene und Angehörige gleichermaßen informativ, auch wenn es kein Ratgeber ist.
In Kürze
Titel: Extrem fühlen
Autorin: Joelle Westerfeld
Genre: Sachbuch Gesundheit
Verlag: rororo
Erscheinungsjahr: 2026
Preis: 14 €
